Kindergruppen

Die nun folgenden Kindergruppen stellen die Wurzel zum Ursprung der Kinderzeche her

Dinkelsbühler Schäferreigen

Die Gruppe des Dinkelsbühler Schäferreigens erinnert an die Bedeutung der Schafzucht für die Wirtschaft der Stadt. Die Schafe lieferten Wolle als Ausfuhrartikel und als Rohstoff für das bedeutende Tuchgewerbe. In der der arbeitsintensiven Textilbranche fanden viele Handwerker Lohn und Brot, wie z.B. Weber, Loder, Tuchscherer, Geschlachtgewander, Walk- und Bleichmeister. Die Bedeutung dieses Handwerkszweigs erkennt man an einem Privileg Ludwigs des Bayern von 1323. Dieses besagt, daß Dinkelsbühler Tuche nur mit Dinkelsbühler Maß nachgemessen werden durften.

Blausiedergruppe

Die Blausiedergruppe führt als Erkennungszeichen einen Karpfen mit. Merian geht im 17.Jhdt. in den Anmekrungen zu einem Dinkelsbühlstich darauf ein, daß es "soviele Teiche wie Tage im jahr gibt. Die meisten besaß das Spital bzw. andere Stiftungen, die Stadt, das Handwerk, andere reiche Privatleute. Ein Fischmeister war dafür verantwortlich, daß an jedem Tag im Jahr Fisch auf den Tisch des hauses gebracht werden konnte. Somit war der Fisch eine wichtige Nahrungsgrundlage der Stadt. Die Bezeichnung Blausieder geht auf eine archivarisch nicht belegte Begebenheit im mittelalterlichen Stadtrat zurück. Der Rat der Stadt hatte auch die Aufgabe, Recht zu sprechen. Und so mußte er sich auch mit dem Fall eines Straßenräubers befassen. Er war bereits zum Tode verurteilt, zu entscheiden war nur noch die Hinrichtungsart.
Unser Ratsherr war eingenickt und wurde rüde von einem Ratskollegen geweckt, als es um Vorschläge zum Modus der Vollstreckung ging. Der sanft schlummernde Ratsherr hatte gerade von einem blaugesottenen Karpfen geträumt, als er unsanft geweckt wurde, und rief aus: "Blausieden soll man ihn". Seitdem haben die Dinkelsbühler ihren Spitznamen "Blausieder" weg.

Gerbergruppe

Hinter dem schönen Zunftzeichen der Weißgerber marschiert die Gerbergruppe. Die Weißgerber verarbeiten die feineren Häute, wie Zobel, Schaf, Hirsch, Felle und reupling (darunter versteht man das Kalb und Fohlen zwischen 1/4 und 1/2 jahr). Die Gruppe führt die Spezialwerkzeuge der Gerber mit sich. Auch der Stollmond, kein Werkzeug, sondern ein Gerät, fehl nicht. er dient der Erzeugung weichen Leders. Auch die Arbeitsstoffe Kalk und Lohe (gemahlene Rinde zum Gerben) sieht man.

Die Rotgerber verarbeiten grobe Felle: Ochsen-, Kuh-,  Geiß und Pferde Häute. Die Kürschner alle Felle wild lebender Tiere. Auf dem Ledermarkt in der Nähe der Paulskirche wurde mit den erzeugnissen der Gerberzunft gehandelt.

Sichelschmiede

Gegen 1350 kam es in Nürnberg zu einer harten Auseinandersetzung zwischen dem Burggrafen und der Schmiedezunft. Viele der Nürnberger Sensen- und Sichelschmiede sollen sich im Gefolge dieses Streites in Dinkelsbühl niedergelassen haben. Ihre Präsenz im Segringer- und Rothenburger Viertel ist jedoch erst ab 1412 verbürgt. Ihre Sicheln lieferten sie "schockweise", wobei ein "Schock" 60 Sicheln ist. Ihre wichtigsten Absatzmärkte waren die Messen von Nördlingen und Frankfurt. Um 1580 gab es etwa 70 Sichelschmiede. Sie beschickten eine eigene Sichelschau, für die 6225 Schock geliefert wurden, das sind 373.500 Sicheln. Dazu kamen noch mehrere Tausende Leichtsicheln und 12.000 Sensen. Sensen und Sichel stellten den 4. großen Exportzweig der mittelalterlichen Wirtschaft in Dinkelsbühl dar. Dieses Gewerbe kam jedoch im Laufe des 30jährigen Krieges wegen Rohstoffmangels völlig zum Erliegen. Im Krieg brauchte man Eisen für die Waffenherstellung.

Trachtengruppe Segringen

Die Trachtengruppe Segringen verdeutlicht einmal mehr die Verbindung von Stadt und Land. Segringen erntet auch literarischen Ruhm. So erzählt Johann Peter Hebel in seinem "Rheinischen Hausfreund" die Geschichte vom "Barbier und vom Star von Segringen". Das Dorf, aufgrund seiner Endung "-ingen" als allemanische Gründung erkennbar, ist älter als Dinkelsbühl. Daher ist es nicht verwunderlich, daß Segringen die Urpfarrei von Dinkelsbühl war. Zu ihr gehörte die erste christliche Gemeinde Dinkelsbühls. Das Besetzungsrecht, d.h. Patronatsrecht über Segringen hatte das Kloster Mönchsroth inne.

Biedermeier-Reigen

Die Bezeichnung "Biedermeier" stammt von Ludwig Eichroth und Adolf Kußmaul, Literaten aus der Zeit des Realismus. Sie sahen das Lebensgefühl der Restaurationszeit in den biederen Reimen des schwäbischen Dilettanten S.F. Sauter repräsentiert und parodierten diese als "Gedichte des schwäbischen Schullehrers Gottlieb Biedermeier" in ihren "Fliegenden Blättern".

Die Zeit des Biedermeier läßt sich mit den Adjektiven brav, bescheiden, genügsam, treuherzig, moralisierend und vielleicht etwas beschränkt umschreiben. Doch dies trifft nur einen Ausschnitt der Ära des Biedermeier. Der andere ist ein politischer.

Die Epoche beginnt mit der Restauration, dem Versuch der Wiederherstellung der Feudalmacht, und endet mit der Revolution von 1848. Der Einsatz des Bürgertum erhielt nicht die erhoffte Freiheit, die erhofften Rechte. Demokraten wurden verfolgt. So wanden sich Viele mehr der Privatsphäre zu, zog isch in das kleine häusliche Glück zurück. Dieses stille, bürgerliche Lebensgefühl soll der Biedermeierreigen zum Ausdruck bringen.

"Gucken Reigen"

Nicht zu übersehen ist die "Gucke", die die Mädchen des "Gucken Reigen" mitführen. Eine Gucke ist eine Tüte. Zur Kinderzeche erhält jedes Dinkelsbühler Schulkind eine mit Süßigkeiten gefüllte Gucke, die Kinderzechgucke. Sie drückt auch heute noch die Dankbarkeit der Bürgerschaft für die errettung der Stadt durch die Kinder aus. Diese Gucken sind aus farbenfrohem Papier. Die gleichen knalligen Farben wiederholen sich in den Kleidern der jungen Damen. der Dutt auf dem Kopf erinnert an die Abschlüsse der Gucke.

Schneckennudel

Die Schneckennudel ist das Kinderzech-Gebäck schlechthin.

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